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Tobi Keck/Column of Creation_
Objekt
Tobi Keck

Die „Säule der Schöpfung“ (Column of Creation) besteht aus mehreren Schaftstücken und deren Zwischenringen, einer quadratischen Basis sowie einem Kapitell. Die Verziehrungselemente der Säule bestehen aus Replika verschiedener Smartphones und Fossilien. Das gesamte Objekt ist aus blankem Gips gegossen und weist an beinahe allen Stellen Anzeichen von Erosion und Reste von Flora und Fauna auf. Motivisch treffen hier Symbole aus signifikant unterschiedlichen Zeitaltern aufeinander. Das Smartphone ist zum Sinnbild einer digitalen, globalisierten Zivilisation geworden - und mittlerweile vielleicht sogar schon zu deren Fluch avanciert. Fossilien aus dem Kambrium wie Ammoniten und Trilobiten stehen für eine der ersten explosionsartigen Entwicklungen von komplexem Leben auf der Erde und kommen in ihrer weit bekannten symbolhaften Erscheinung einem Logo oder Emblem gleich. Zusammengestückelt in die Form einer an die griechische oder römische Antike erinnernde Säulenordnung, wirken sie wie Bausteine einer westlichen Vorstellung von Hochkultur. Der blanke weiße Gips aus dem sie reproduziert sind erweckt den Anschein der minimalistisch-idealisierten Ästhetik von weißem Marmor, welche wir irrtümlicherweise mit der Antike verbinden. Die Säulenteile wurden zudem gezielt über einen ganzen Jahreszyklus der freien Witterung ausgesetzt, woduch an vielen Stellen deutliche Spuren von Erosion durch Frost sowie Bewuchs durch Moose und Pflanzen und die Besiedelung durch einige Lebewesen entstand. In deutlicher Manier lässt sich so die Skulptur als unmissverständliche Allegorie für biologische und kulturelle Entwicklung lesen.

Tobi Keck
Tobi Keck

Tobi Keck (*1987 in Kempten im Allgäu) Lebt und arbeitet in Berlin und Leipzig. Nach einer Berufsausbildung zum Industriemechaniker (2004–2008) studierte er von 2011 bis 2014 an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und anschließend bis 2017 an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Von 2017 bis 2019 war er dort Meisterschüler bei Eberhard Bosslet. Zwischen 2020 und 2022 leitete und kuratierte er den Projektraum Good Job! Showroom in Leipzig.