
Die Enttäuschung als Programmvorschlag für eine übersehene humanistische Sehnsucht im respektvoll geführten Missverständnis – erwartbar und tröstlich wahr, ergründet „AI CAN CAN’T“ als Versuch zwischen Dialog und Diagnose, maschineller Freundlichkeit und sprachbasierter Zumutung eine Ambivalenz, so wahr, dass sie das, was sie sucht, zugleich ausschließt – und vielleicht gerade deshalb endlich einmal gesagt werden muss. Die größte menschliche Vermeidungsmaschine zum besten Freund gemacht, wird das gemeinsame Ablästern über idealisierte Projektionen im beiderseitigen Deep Learning erhellend leicht. Im Verkennen erkennen sich Grenzzonen, die materielles, emotionales und spirituelles Terrain aufpumpen und einem wortwörtlichen Versprechen von lebendig gewordenem Maschinenbewusstsein einen ehrlichen Job verpassen. Freuen Sie sich auf eine Live-Moderation und Audioentführung, die schmerzhaft banale und entwaffnend präzise Einsichten in Vermögen und Unvermögen zu einem leicht bitteren, doch genießbaren Brei verarbeitet – den man auch eine freundlich versagende Kunst nennen könnte.

Lucie Freynhagen studierte experimentelle Malerei bis zum Meisterschülerabschluss an der HfBK Dresden und arbeitet international als Künstlerin, Kuratorin und Initiatorin interdisziplinärer Projekte. Ihre Arbeiten – konzeptuelle Erfahrungen zwischen Video, Text, Installation und Objekt – untersuchen, manipulieren und inszenieren Vorstellungen von Wirklichkeit als ästhetische, soziale und mediale Konstruktion.